28.09.2017

Acosta Danza - Weltpremiere & Saisoneröffnung am Di., den 3. Oktober 2017

Nur wenige Tage nach der Weltpremiere im Londoner Tanzhaus Sadler's Wells gibt Acosta Danza, am Dienstag, den 3. Oktober, um 20 Uhr in der Stadthalle Neuss ihre Deutschlandpremiere. Die Compagnie wurde im letzten Jahr von dem internationalen Ballettstar Carlos Acosta gegründet, der nach seinem Abschied vom Londoner Royal Ballet zu seinen kubanischen Wurzeln zurückgefunden hat.

In Havanna gründete der heute 42-Jährige die Acosta Danza, mit der er nicht zwischen modernem und klassischem Tanz unterscheiden, sondern eine eigene, persönliche Tanzsprache schaffen will – den „Acosta-Tanz“ eben.

Das Programm beginnt mit El Cruce Sobre El Niágara (»Die Überquerung der Niagara-Fälle«), das die kubanische Choreographin Marianela Boán im Jahre 1987 geschaffen hat. Das düster-brillante Stück entstand nach dem gleichnamigen Buch von Alonso Alegria über den französischen Artisten Charles Blondin (1824-1897), der am 30. Juni 1859 erstmals die Niagara-Fälle auf einem Hochseil überquerte und dieses Kunststück danach noch viele Male in immer schwierigeren Varianten wiederholte. Unter anderem trug er einmal einen Mann auf seinem Rücken über den Abgrund – für Alegria der Ausgangspunkt, um die Natur menschlicher Waghalsigkeit zu untersuchen.

Acosta erinnert sich, das Stück in den neunziger Jahren von der Danza Contemporánea de Cuba gesehen zu haben: »Es wurde gleich ›Kult‹, und als ich nach vergessenen, aber bedeutenden kubanischen Stücken suchte, fiel es mir sofort wieder ein. Es ist zeitlos – gewissermaßen reine Philosophie, die zurückgeht zu den Anfang des zeitgenössischen Tanzes, wo alles noch schmucklos und körperlich war. Es ist herrlich.«

Dazu stehen die Belles-Lettres von Justin Peck ganz bewußt in deutlichem Kontrast. Als Acosta die Solisten des New York City Ballet und seinen festen Choreographen um ein Werk bat, schlug Peck diese Folge entzückender Pas de deux vor. »Ich wollte etwas ganz Neoklassizistisches in Spitzenschuhen einbeziehen,« erklärt Acosta, »und mir gefällt es, wie sich das Ganze zu diesem emotionalen Abschluß steigert.«

Goya Montero präsentiert sein neues Werk Imponderable. Der Künstler wurde in Kuba ausgebildet, ist erster Choreograph am Ballett des Nürnberger Staatstheaters und genießt in ganz Europa hohe Anerkennung. »Ich kenne ihn,« so Acosta, »seit seinem Studium in Kuba, und ich halte ihn für genial. Als ich eine neue ›kubanische‹ Kreation suchte, kam er mir in den Sinn. Ich möchte nicht dieselben alten Stücke bringen wie alle anderen. Ich möchte Einzigartiges für uns. Wir sind Kubaner mit unserer eigenen Geschichte und Kultur, und das macht den Unterschied.«

Die beiden Männer lieben seit jeher die idealistisch-humanistischen Lieder von Silvio Rodriguez, der gemeinhin als der beste Folk-Sänger Kubas und einer der wichtigsten Sänger und Songschreiber Lateinamerikas gilt. Acosta bat ihn darum, eine spezielle Fassung seiner Titel aufzunehmen, die der kanadische Komponist Owen Belten anschließend eingerichtet hat.

Das Programm endet mit dem ungewöhnlichsten Stück des gesamten Programms – einer Arbeit des in Großbritannien lebenden Spaniers Jorge Crecis. Ursprünglich hatte ihn Acosta gebeten, für seine Truppe einen Workshop zu geben und ihnen seine sehr intuitive Technik beizubringen. Daraus resultierte Twelve, eine Adaption des Stückes 36 und die Fortsetzung der Idee, eine Anzahl Plastikflaschen zwischen den Tänzern hin und her fliegen zu lassen. »Es ist sehr extravagant, stellt den Tanz auf den Kopf und bricht mit jeder Schablone – genau das, womit ich mich besonders gern befasse,« sagt Acosta.

Zwischen diesen beiden Arbeiten tritt Acosta selbst zusammen mit Marta Ortega in dem kurzen Duett Mermaid auf, das Sidi Larbi Cherkaoui neu choreographiert hat. Auch das geschieht ganz bewußt. Acosta will auch weiterhin tanzen, wenngleich er künftig auf die klassischen Rollen, denen er seine Reputation verdankt, verzichten wird.

Text: Sarah Crompton

EL CRUCE SOBRE EL NIÁGARA
Marianela Boán / Olivier Messiaen
BELLES-LETTRES
Justin Peck / César Franck
-- Pause --
IMPONDERABLE
Goyo Montero / Silvio Rodriguez, Owen Belton
MERMAID – Premiere des neuen Duetts
Sidi Larbi Cherkaoui / Percussion
TWELVE
Jorge Crecis / Vincenzo Lamagna

Tickets können über die Karten Hotline unter 02131 526 999 99 oder über das Internet unter www.tanzwochen.de bestellt werden (zuzüglich Versandkosten und 12% Vorverkaufsgebühr).

Acosta Danza - Weltpremiere & Saisoneröffnung am Di., den 3. Oktober 2017
Acosta Danza - Weltpremiere & Saisoneröffnung am Di., den 3. Oktober 2017
Acosta Danza - Weltpremiere & Saisoneröffnung am Di., den 3. Oktober 2017